PROGRAMM ENTWURF – STATUS 1. JANUAR 2018
© Australian Chamber Choir
Early Aus Map deJode 1593 NLA.map.rm389-s1-vDie Ureinwohner Australiens haben ihr Land seit fünfzigtausend Jahren bewohnt ohne daß die Europäer von ihrer Existenz wußten. Legenden von Terra australis incognita (unbekanntes südliches Land) findet man in Griechisch-Römischen Schriften: Aristoteles spekulierte, daß eine entsprechend große Erdmasse in der südlichen Erdhalbkugel die bekannten Landmassen der nördlichen Halbkugel « ausbalancieren » könnte. Während mehreren Jahrhunderten war das nicht mehr als ein philosophisches Konstrukt. Dann, ab dem 16. Jahrhundert, als Entdecker die Erde besegelten, zeichnete sich die Form des australischen Kontinents allmählich auf der Weltkarte heraus. Das Konzept eines unbekannten Kontinents regte die Fantasie an und mehrere europäische Schriftsteller schrieben Science-fiction Romane in denen sie gotische Monster, Riesenvögel und mystische Tiere beschrieben. Manchmal fanden diese Monster ihren Weg bis in die Illustration von Karten, so die Grenzen zwischen Fiktion und Wissenschaft verwischend. So kam es, daß die Europäer sich das Leben in Australien vorstellten bevor sie einen Fuß auf den Kontinent gesetzt hatten. Während dieser Epoche erzählten sich die eingeborenen Australier ihre eigene lange Geschichte und ihre eigenen Mythen, die gemeinsam als die Dreamtime (Zeit der Träume) betrachtet wurde.

In diesem Programm  schiffen wir auf parallele Reisen: Geplante Europäische Entdeckungsreisen treffen mit zeichensetzenden musikalischen Kompositionen dieser Zeit zusammen. Eine Reise durch die Geschichte der Chormusik wiederspiegelt sich in einer metaphorischen Entdeckungsreise – Terra Australis, von der Vorstellung zur Realität.

                                                                                               

Franco Rosselli world map 1508Italienische Exploration und Kartographie

1504: Francesco Rosselli, ein Florentiner Kupferstecher, reiste nach Venedig mit der Absicht, seine Karten zu verkaufen. Er schuf 1506 die erste Weltkarte die die Neue Welt darstellte und 1508 sogar die erste Weltkarte in einer ovalen Projektion (abgebildet). Diese Karten waren basiert auf von italienischen Kollegen, Christoph Columbus und Marco Polo aufgezeichnete Informationen. Der letztere machte umfangreiche Beschreibungen von asiatischen Ländern und erwähnte auch die Terra Australis.

Josquin des Prez (c.1450-1521): Three Secular Songs from Harmonice Musices Odhecaton, Third Edition (Venice, 1504)

                                                                                                   

Portugiesische Exploration
Deutsche and französische Dokumentation

1531: Ein Artikel in einer Augsburger Zeitung von 1514 beschreibt eine Reise von zwei Portugiesischen Händlern, Nuno Manuel und Cristóvãu de Haro, die zwischen der südlichen Spitze von Amerika (Brasilien) und einem anderen Kontinent segelten. Von diesem Bericht inspiriert, stellte der Deutsche Kartograph Johannes Schöner 1523 den ersten Globus her, auf dem eine Landmasse südlich von Brasilien mit Terra Australis angeschrieben war. Auf dieselben Informationsbrocken basiert schrieb der Französische Gelehrte Oronce Finé eine sehr lebhafte Vorstellung als er 1531 die folgende Beschreibung der Terra Australis veröffentlichte:

Es ist ein riesiges Gebiet in Richtung Antarcticum, kürzlich entdeckt, aber noch nicht ganz erforscht … Die Einwohner dieses Gebietes führen ein gutes, ehrliches Leben und sind nicht Anthropophagi [Kannibalen] wie andre barbarische Nationen; Sie haben keine Buchstaben und haben keinen König aber sie ehren ihre Älteren und sind ihnen Gehorsam

Vicente Lusitano (c.1500–1561) – Heu me Domine (c.1531)
John IV, Koönig von Portugal (1604–56) – Crux fidelis

                                                                                                   

Navigator, said to be Willem de Vlamingh 62.6 x 50.2cmFlämische and holländische Exploration

1594: Tod des Flämischen Kartographen Gerardus Mercator. Er war berühmt für seine Weltkarte von 1569, basiert auf eine neue Projektion, die geradlinige, konstante Segelrouten darstellte, eine Erfindung, die die Seefahrer noch Heute erfreut. Rhumold Ghim, Bürgermeister von Duisburg schrieb das Vorwort dieses Atlasses von Mercator (1595), in welchem er die Darstellung der hypothetischen Terra Australis kommentiert. Er erklärt, daß, obwohl dieser Kontinent immer noch verborgen und unbekannt bleibe, er glaube, daß

man durch handfeste Gründe und Argumente dessen geometrische Proportionen, Größe, Gewicht und Bedeutung zeigen, eingrenzen könne und so beweisen könne daß die eine oder andere Erdhälfte wahrscheinlich nicht kleiner oder weniger sein könne, ansonsten die Konstitution der Welt nicht um ihr Zentrum zusammenhalten könnte.

Claudio Merulo (1533–1604): Salvum fac populum tuum (Ausgabe, Venedig, 1594)

1619: Der Holländer Dirk Hartog war der erste Europäer, der 1614 an der Westküste von Australien landete. Er benannte diesen Ort nach seinem Schiff Eendrachtsland (Eintrachtsland) und hinterließ beschriftete Zinnteller als Beweis seines Besuches. 1619 besuchte Frederik de Houtman diesen Ort und bestätigte, daß die Beschreibung von Marco Polo eines Kontinentes in dieser Gegend stimme.

Jan Pieterszoon Sweelink (1562–1621): Hodie Christus natus est (1619)

                                                                                                   

Britische Exploration

Nathaniel Dance: Captain James Cook1769: Am 3. Juni 1769 vervollständigte Captain James Cook und seine Gruppe eine Beschreibung der Beobachtung des Transits der Venus, die in Tahiti für die Royal Society unternommen wurde. Gemäß dieser Beschreibung brach Cook dann das Siegel eines Umschlages, das die Beschriftung „Geheime Anweisungen an Captain Cook von Lord High Admiral von Groß Britannien Sir Philip Stephens“ trug. Darin wurde er angewiesen, nach der Terra Australis zu suchen:

Wohingegen es Gründe gibt, sich vorzustellen, daß ein Kontinent oder Land von großem Ausmaße südlich der kürzlich von Captn Wallis gemachten Route gefunden werden könnte … mit dem Einverständnis der Eingeborenen von einer geeigneten Situation im Land im Namen des Königs von Groß Britannien Besitz zu ergreifen. Oder: Wenn sie das Land unbewohnt auffinden, im Namen seiner Majestät Besitz zu ergreifen indem sie als erste Entdecker und Besitzer geeignete Markierungen und Inschriften hinterlassen.

Er stieß am 29. April 1770 bei Botany Bay auf Land; der erste Europäer, der seinen Fuß auf die Ostküste Australiens setzte. Von da her befuhr er die Küste bis Possession Island, wo er die ganze Küstenlinie, die er gerade entdeckt hatte, als Britisches Territorium forderte.

Alan Holley (geboren Sydney, 1954): Terra Australis  (Erstaufführung , 2019)
Ein neues Werk, vom Australian Chamber Choir beauftragt, um dem 250. Jahrestag von Captain Cook’s Öffnung des geheimen Briefes am 3. Juni 1769 zu gedenken

                                                                                                

PAUSE

                                                                                                    

Australien

1814: Im Todesjahr von Matthew Flinders wurde seine „Eine Reise nach Terra Australis“ veröffentlicht. Dieses Buch zeigte die erste komplette Karte der Küstenlinie des Australischen Kontinents, die nur durch die Umsegelung von 1801 möglich war. In diesem Buch spricht er sich für seinen Vorzug der Benennung des Kontinents Australien aus.

Es ist sehr Unwahrscheinlich, daß ein anderer individueller Landkörper von fast gleichem Ausmaß in einem noch südlicheren Breitengrad je gefunden werden könnte; der Name Terra Australis (wie von Ptolemy und Aristotles zitiert) wird deshalb die Geographische Bedeutung dieses Landes und seine Situation auf der Erdkugel beschreiben: es hat genügend Altertum um es zu empfehlen; und da es keinen Bezug zu einem der beiden Nationen hat, erscheint es als am Einwandfreisten gegenüber allen anderen Namen die gewählt werden hätten können.

1817: Auf Flinders Anfrage wurde ein Exemplar des Buches dem Governor of NSW, Lachlan Macquarie überbracht. Macquarie begann sofort, den Namen Australien zu benützen, und in den 1820-iger Jahren war dieser schon von der allgemeinen Sprache aufgenommen.

Ludwig van Beethoven (1770–1827): Gesang der Mönche (1817), Abschiedsgesang (1814) für Männerstimmen

                                                                                                    

Inland Entdeckungen

1844: Der Preußische Explorator und Naturalist Ludwig Leichhardt kommt 1842 in Australien mit dem Ziel an, das Landesinnere zu erkunden. Am 1. Oktober 1844 schiffte er sich zu einer sehr anspruchsvollen Expedition ein. Er fuhr von der ganz nördlichsten Siedlung Australiens im heutigen Darling Downs, Queensland ab. Für lange Zeit tot geglaubt, kam seine Gruppe in Port Essington an der oberen Nordküste vierzehn Monate später an. Sie hatten eine Distanz von 3’000 Miles (4’800 Kilometer) hinter sich gelegt. Per Schiff nach Sydney zurückkehrend wurden sie dort als Helden gefeiert.

Explorers, Talbot and Frank Hann

Explorers, Talbot and Frank Hann

Felix Mendelssohn (1809–47): Denn er hat seinen Engeln befohlen (1844)

1898: Frank Hann (1846-1921) migrierte mit seinen Eltern von Wiltshire. Er erkundet das Landesinnere des Westens Australiens mit einer Gruppe von sechs Eingeborenen Männern. 1898, im Alter von 52 Jahren, während er sich von einem Schenkelbruch erholte, erkletterte er die Leopold Ranges, die bisher als undurchdringlich galten. Er benannte die Flüße Charnley und Isdell und  lokalisierte einige schöne ländliche Gegenden. Während seinen letzten Jahren korrespondierte er mit Daisy Bates und verlangte mehr Aufmerksamkeit der Regierung für die Fürsorge der Aborigines. Jedes seiner Tagebücher fing mit dem Motto an:

Gib der Verzweiflung nie nach.

Claude Debussy (1862–1918): Drei Chansons von Charles d’Orléans (1898)

1936: Ted Colson (1881-1950) war die erste Person Europäischer Abstammung, die die Simpson-Wüste zu Fuß durchquerte. Von einem Schwedischen Vater und einer Englischen Mutter In Richmans Creek, Süd-Australien, geboren, verstand er die Riten, Gebräuche und Dialekte mehrerer Aborigines Stämme und unternahm Expeditionen immer mit Hilfe von Aborigines. 1937 war sein Assistent Peter Eringa des Antakurinya Stammes.

Olivier Messiaen (1908–92): In 1936, mit drei jungen Kompnisten bildete Messiaen die als  Jeune France (Junges Frankreich) bekannte Gruppe mit dem Grundsatz die herrschende Frivolität der Pariser Musik seiner Epoche zu kontern.
O sacrum convivium (1937) war ein Produkt dieser Bewegung.

                                                                                                      

Antarktika

1820: So wie jetzt Russische und Britische Expeditionen die Antarktika entdeckten, wurde die Ausdehnung der Landmaße Terra Australis bestätigt. Es war jetzt klar daß, im Gegensatz zu Aristoteles Theorie, die ganze Landmasse in der südlichen Halbkugel viel kleiner war als die der nördlichen.

JS Bach (1685–1750): Lobet den Herrn (Veröffentlicht 1820)

                                                                                                     

PROGRAMM ENTWURF Status 1. Januar 2018

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